2 – Serie: “Kopf schlägt Kapital” – Auf die Unverwechselbarkeit kommt es an

By Annja Weinberger | Allgemein

Aug 18

Die Kern-Elemente der „konzept-kreativen“ Geschäftsideen, so wie Entrepreneur-Professor Günter Faltin sie in seinem Buch „Kopf schlägt Kapital“ vorstellt, habe ich schon im ersten Teil dieser kleinen Serie erklärt.

Zur Erinnerung:

Entscheidend ist, eine Ausgangsidee zu finden und “daran arbeiten, noch mehr daran arbeiten, so lange bis Sie ein Ideenkonzept haben, das deutlich überzeugender ist als die Konvention, die Sie vorfinden.” Und wenn das Ideenkonzept ausgreift ist: “Aus vorhandenen Komponenten gründen, statt alles selbst aufzubauen.” Also Herstellung, Verpackung, Vertrieb, Marketing, Buchhaltung etc. zum Teil oder komplett bei professionellen Anbietern einkaufen.

In den Kommentaren tauchte die Einschätzung auf, dass diese Prinzipien nur begrenzt auf Selbstständige, die Dienstleistungen wie Beratung, Coaching etc. anbieten zu übertragen sind. Grenzen gibt es da sicher. Aber mich interessiert heute die Frage:

Wie können Selbstständige und kleine Unternehmen von Faltins Grundidee profitieren?

Ein Punkt, den ich für sehr wichtig halte:

Die Idee hinter dem Unternehmen muss gut durchdacht sein.

Es lohnt sich für jeden Selbstständigen, intensiv darüber nachzudenken, was genau wem genau angeboten werden soll. Egal, ob es um Produkte oder Dienstleistungen geht. Egal, ob der Selbstständige gerade gründet oder schon eine Weile im Geschäft ist.

Hinter dem „was genau wem genau“ steckt viel Recherche- und Denkarbeit, stecken viele Entscheidungen. Oft lese ich auf Websites so etwas Ähnliches wie „Ich biete Coaching im beruflichen und privaten Kontext“ oder etwas in diese Richtung „Ich biete Coaching zu den Themen Stressmanagement, Zeitmanagement, Karriereplanung, Zielfindung für Berufstätige und Privatpersonen“. Übersetzt heißt das: Ich biete alles für jeden. Und das übersetzt der potenzielle Kunde in: Dieser Anbieter bietet nichts Besonderes an, das speziell mir in meiner aktuellen Situation helfen kann.

Ich bin sicher, dass die meisten solcher Anbieter zu den vielen Unternehmen gehören, die ihre Türen innerhalb der ersten fünf Jahre nach Gründung wieder schließen müssen.

Die Chance und Herausforderung liegt in dem Impuls, den Faltin gibt, wenn er sagt „eine Ausgangsidee zu finden und “daran arbeiten, noch mehr daran arbeiten, so lange bis Sie ein Ideenkonzept haben, das deutlich überzeugender ist als die Konvention, die Sie vorfinden.”

Um im Beispiel zu bleiben: Die Ausgangsidee kann durchaus heißen: Ich will Menschen helfen, mit Stress besser umzugehen (Stressmanagement-Coaching). An dieser Idee muss dann gefeilt werden. Für wen genau, was genau, wie genau – warum bin ich genau die Richtige für bestimmte Menschen?

Im Grunde geht es also um das Herausarbeiten der Einzigartigkeit eines Angebots, um nicht so leicht mit den tausenden anderen Anbietern von Stressmanagement-Coaching austauschbar zu sein. Das Schöne ist ja: Jeder Mensch, jeder Selbstständige  ist einzigartig. Das muss allerdings sichtbar gemacht werden. Dann können Angebote „deutlich überzeugender ist als die Konvention (sein), die Sie vorfinden.” Damit meine ich nicht „Sie müssen einfach nur sagen, dass Sie der beste Stressmanagement-Coach aller Zeiten sind.“ – das ist unglaubwürdig. Damit meine ich „Sie müssen bestimmten Menschen klarmachen, dass Sie deren Probleme sehr gut verstehen und genau dafür eine Lösung anzubieten haben.“

Das nennt man bekanntlich auch Positionierung 🙂

Hier ist so eine starke Positionierung. Es geht um Stressmanagement im weitesten Sinne:

Brigitte Hettenkofer, Coach für Mentales Gesundheitstraining, fragt in der Überschrift auf Ihrer Website:

Sie sind von einer schweren Krankheit oder Burnout betroffen und wollen Ihr Wohlbefinden nicht nur den Ärzten überlassen?

Für Menschen, die sich davon angesprochen fühlen hat Brigitte Hettenkofer Angebote entwickelt, die beim Stressmanagement, beim Gesund werden und bleiben, helfen. Zum Beispiel führt sie für Pflegekräfte in Altenheimen Workshops und Coaching-Programme durch, die sie „Selbstpflege-Werkstatt“ genannt hat.

www.brigittehettenkofer.de/

So eine glasklare Positionierung mit gut durchdachten Ideen entsteht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber es lohnt sich meiner Ansicht nach auch für Dienstleister, an seiner Ausgangsidee zu feilen, um konkrete Angebote für konkrete Menschen machen zu können. Brigitte Hettenkofer wird mit Sicherheit nicht als jemand empfunden, der „alles für jeden“ bietet und nichts wirklich gut kann. Sondern als jemand, der bestimmten Menschen in bestimmten Situationen besonders gut helfen kann.

Haben sich Ihre Angebote im Laufe Ihrer Selbstständigkeit verändert? Sind sie konkreter geworden?

Lesen Sie auch Teil 1: Serie: “Kopf schlägt Kapital” – Können auch bestehende Unternehmen den Ansatz von Entrepreneurship-Professor Günter Faltin nutzen?

 

 

 

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