1 – Serie: „Kopf schlägt Kapital“ – Können auch bestehende Unternehmen den Ansatz von Entrepreneurship-Professor Günter Faltin nutzen?

By Annja Weinberger | Allgemein

Aug 09

Ein Buch hat mich in den vergangenen Wochen fasziniert: „Kopf schlägt Kapital – Die ganz andere Art, ein Unternehmen zu gründen“ von Günter Faltin, erschienen im Hanser-Verlag. Der Berliner FU-Professor sagt „Erfolgreiche Unternehmen entstehen im Kopf. Je besser eine unternehmerische Idee ist … (je klarer sie einen deutlichen Marktvorteil erkennen lässt) … desto mehr wird sie sich durchsetzen.“

Nun  bin ich kein Gründer (sondern schon seit fast 15 Jahren selbstständig) – dennoch haben mich die Ideen in diesem Buch sehr inspiriert. Als Marketing-Beraterin und Texterin, die sich auf kleine Unternehmen (1 bis 50 Personen) spezialisiert hat, beschäfigte mich natürlich die Frage: Können auch Selbstständige, die schon gegründet haben, von dem Querdenker Faltin profitieren?

Bevor ich vorstelle, dass das aus meiner Sicht in einigen Bereichen sehr gut möglich ist, muss ich etwas ausholen und in diesem Posting die Kernaussagen des Buches anreißen.

Im Laufe der nächsten Postings dieser kleinen Serie werde ich dann folgende Aspekte aufgreifen:

  • Lässt sich das Ideenkonzept des Unternehmens „Teekampagne“ auf Beratungs-, Coaching- und Trainerleistungen übertragen?
  • Wie kann aus einer imitierenden Geschäftsidee eine innovative werden?
  • Was ist ein echter Marktvorteil?
  • Was muss ein Unternehmer alles können?
  • Funktion geht vor Konvention – welche Konventionen beherrschen Ihre Branche?
  • Welche Produkte und Dienstleistungen wünschen wir uns preiswerter, bequemer, leistungsfähiger?
  • Wie geht das: Für eine Idee werben – nicht für ein Angebot?

Doch zunächst zum Buch: In 11 Kapiteln wird eine Kernthese erklärt, mit Beispielen und Anregungen unterfüttert. Sie lautet:

Jeder kann Unternehmer werden!

Entscheidend ist, eine Ausgangsidee zu finden und „daran arbeiten, noch mehr daran arbeiten, so lange bis Sie ein Ideenkonzept haben, das deutlich überzeugender ist als die Konvention, die Sie vorfinden.“ Und wenn das Ideenkonzept ausgreift ist: „Aus vorhandenen Komponenten gründen, statt alles selbst aufzubauen.“ Also Herstellung, Verpackung, Vertrieb, Marketing, Buchhaltung etc. zum Teil oder komplett bei professionellen Anbietern einkaufen.

Berühmtes Beispiel: Die Teekampagne.

Faltin erklärt das Prinzip: „Am Anfang ist es nur ein Gedanke: dass man Teehandel vielleicht anders organisieren und hohe Qualität preiswerter anbieten könne.“ Auf vielen Reisen in Entwicklungsländer war ihm aufgefallen, „dass Produkte wie Kaffee, Bananen, Zucker, Tee bei uns ungefähr zehnmal mehr kosten als dort.“ Lässt sich das ändern? Faltin uns seine Studenten nahmen den konventionellen Teehandel unter die Lupe und erkannten, dass die hohen Preise aufgrund hoher fixer und variabler Kosten notwendig sind. 4 Faktoren sind dafür verantwortlich:

„Teegeschäft, gute Lage

große Sortimentsbreite (oft mehrere Hundert Sorten Tee)

Kleinpackungen

mehrere Zwischenhandelsstufen“

 

Im Vergleich dazu die unkonventionelle Variante der Teekampagne:

„Beschränkung auf nur eine einzige (aber sehr hochwertige) Teesorte

kein Zwischenhandel

nur Großpackungen

Verkauf per Mailorder und Internet

Resultat:

viel geringere Kosten, dadruch Preis- und Qualitäsführerschaft möglich.“

zitiert aus „Kopf schlägt Kapital“, Günter Faltin (Seite 6 und Seite 10).

Den Teelhandel neu erfunden

Heute ist die Teekampagne Marktführer für Darjeeling Tee und grünen Tee aus biologischem Anbau. In der Idee steckt immens viel Recherche- und Denkarbeit. So einfach wie sie klingt – so viel Mut hat sie erfordert. Den Zwischenhandel umgehen? Ein radikaler Ansatz. Nur eine Sorte Tee und noch dazu nur in Großpackungen verkaufen? Ein unternehmerisches Risiko: unklar, ob die Konsumenten mitmachen.Wie finanzieren? Wer Tee per Versand bestellten wollte, musste einen Vorrausscheck beilegen. Klappt das?

Heute hat ist die Teekampagne Deutschlands größtes Teeversandhaus, hat mehr als 200.000 Kunden, verkauft pro Jahr rund 400 Tonnen Darjeeling-Tee. Ein Lehrstück für „Funktion geht vor Konvention.“ Und ein Beispiel dafür, dass für eine innovative Gründung keine hohen Mengen an Kapital nötig sind.

Im nächsten Posting der Serie „Kopf schlägt Kapital“ mache ich mir Gedanken darüber, ob und wie Selbstständige und kleine Unternehmen von diesem Modell profitieren können.

Was halten Sie von dieser Idee?  Können Sie sich vorstellen, dieses „Neu erfinden“ auf andere Bereiche anzuwenden?

 

 

 

 

 

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