Spiritualität und Business

By Annja Weinberger | Allgemein

Jun 01

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Vor kurzem ist mir das Buch von Siglinda Oppelt „Quantensprung im Business“ mal wieder in die Hände gefallen.

Und auch ein Buch von Thich Nhat Hanh „Kein Werden, kein Vergehen“.

Sicher kein Zufall 🙂

Vor allem die Weisheit des vietnamesischen Mönchs Thich Nhat Hanh hat es mir angetan:

„Im Hier und Jetzt ist mein wahres Zuhause.“

Spiritualität und Business? Heute formuliere ich mal den Versuch einer Annäherung.

Spirituell leben heißt für mich, nicht nur auf Materielles ausgerichtet sein, sondern auch die Präsenz des Hier und Jetzt wahrnehmen. Den Moment akzeptieren. Nichts Geringeres als ein Leben ohne Angst. Ohne Druck und Erzwingen wollen – letztlich ohne Ziele.

Was hat das mit Business zu tun?

Für mich eine sehr wichtige Frage. Denn, wenn ich einen spirituellen (nicht ausschließlich materiellen) Blick auf die Welt habe, soll dieser Blick auch in meinem Business-Alltag hilfreich sein. Einfach in zwei Parallelwelten leben – außerhalb der Arbeit, z. B. beim Meditieren mit spirituellem Ansatz – im Business dann aber mit rein materiellem Ansatz – das kann es nicht sein.

Wenn ich selbstständig meinen Lebensunterhalt verdiene, gehe ich zielgerichtet vor. Und das möchte ich möglichst gut hinkriegen, ich lerne, experimentiere und gebe mein Bestes. Also gibt es hier zwei Pole. Ich bin in diesem Moment. Und ich verfolge Ziele. Gut möglich, dass die Pole wie die zwei Seiten einer Münze sind, verbunden durch ein gutes großes Ganzes.

Mein Business gehört zur Welt der Formen und meine Seele zur Welt des Formlosen. Das Formlose ist meine Essenz, meine wahre Natur – sie ist immerwährend und bestimmt von tiefem Frieden und Freude. Auf der Ebene der Formen verändert sich alles ständig. Kunden kommen und gehen, Flauten entstehen und vergehen, neue Ideen und Projekte nehmen Gestalt an und finden ein Ende … Auf der Ebene des Formlosen spielen Werden und Vergehen dagegen keine Rolle. Die Welt der Formen und die des Formlosen – beides ist Realität und gut.

Business gestalten (oder was auch immer in der Welt der Form so zu tun ist) möchte ich nicht im Irrglauben, das wäre das Wichtigste oder meine wahre Natur.

 

Vielmehr ist Sein, Gewahrsein, immerwährende Präsenz, tiefer Frieden meine Essenz. Das Wie ist wichtiger als das Was.

Wenn ich mich in der Welt der sich permanent verändernden Formen verheddere, indem ich sie ablehne und andere Formen erzwingen will, leide ich. Dann kann ich die Nicht-Beständigkeit nicht als natürlichen Fluss erkennen und leide unter dem ständigen Auf und Ab.

Sich verheddern in einem Gewirr an Fäden: Kunden kündigen und das gefällt mir nicht, oder zu viele Kunden wollen auf einmal etwas, neue Aufträge kommen nicht herein oder zu viele Aufträge zur gleichen Zeit überfordern, Projekte laufen nicht so wie geplant, etwas ist langweilig, ärgerlich, frustrierend oder beängstigt … Im schlimmsten Gewirr tut sich ein Strudel auf und droht einen in Enttäuschung, Depression, Wut und Angst zu ziehen. Angst vor dem Elend, dem Ende, dem Allein und Verlassen sein.

Hoffentlich fällt uns im Leiden dann irgendwann wieder ein, dass unsere wahre Natur das Formlose ist, die Präsenz, Göttlichkeit, tiefer Frieden und Freude. Den Moment akzeptieren. Sich in das Auf und Ab hinein entspannen. Ja, auch in das Ab.

 

Feststecken in einem Gewirr von Fäden der Sorgen oder Lähmung bedeutet, dass ich meine wahre Natur aus den Augen verloren habe. Mich von der Angst abwenden und wieder dem Frieden zuwenden – darum geht es.

 

Ich kann 2.500,- oder 25.000,- oder 250.000,- Euro Umsatz machen und darunter leiden – das ist zu wenig – oder ich kann damit einverstanden sein – ja, so ist es gerade. Dieses einverstanden sein fühlt sich gut an, wenn es nicht auf Resignation oder Kleinmütigkeit (mehr steht mir eben nicht zu) basiert – das wäre Leiden auf leise Weise – sondern aus Einsicht in die Nicht-Beständigkeit und in meine wahre Natur.

 

Wenn ich mein Business angstfrei führe, kann das viele Gesichter haben:

  • Ich kann eine Weile mehr arbeiten, weil ich Freude daran habe
  • Ich kann eine Weile weniger arbeiten, weil ich keine Angst davor habe
  • Ich kann Kaltakquise per Telefon betreiben, weil ich Absagen nicht als Vernichtungsschlag fürchte
  • Ich kann keine Kaltakquise betreiben, weil ich mich gerade nicht für neue Kunden interessiere

Ich kann alles Mögliche tun oder lassen, das mein Business und Leben in Fluss hält – aus Freude und nicht aus Angst. Ich kann Phasen der Ruhe und Phasen der Ideenwirbel und Aktivität genießen. Den Wechsel und stetigen Wandel in der Welt der Formen akzeptieren und nicht verwechseln mit der Essenz.

Lebe ich das, was ich hier formuliert habe immer?

Nein. 🙂

Wie denken Sie über Spiritualität und Business?